Donnerstag, 28. Juni 2012

Moin, moin... Wie ich das vermisse......

Ich komme aus Norddeutschland, aus Friesland! Wo Schafe den Deich platt trampeln, wo meist der Wind von vorne kommt, wo ein kühles " Blondes" getrunken wird, wo platt snackt wat und dat " Moin" het!
Moin passt immer, das sagen wir zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das ist was handfestes, das hat Tradition,
das sind bodenständige Menschen, manchmal sind sie ein wenig ruppig, aber sie haben das Herz am rechten Fleck.

Oh, wie das vermisse!
Mal ganz ehrlich: "Grüezi", wie das schon klingt! Das ist doch nichts für jemanden aus dem Norden. Das ist doch nichts handfestes. Oder " Grüezi woll!", noch schlimmer! Aber freundlich, das sind sie ja, die Schweizer, sie grüßen einen, ob sie dich kennen oder nicht, aber, tja, wenn das aber man nicht wäre.
Danach ist Schluss! Innerlich spricht der Schweizer glaub ich schon ein Stoßgebet zum Himmel, dieser Unbekannte möge ihn nur nicht weiter belästigen." Nur kein Gespräch", denkt der Schweizer Alm-Öhi . Falls es doch soweit kommen sollte, gibt er zwar brav Auskunft und bleibt freundlich, aber man bemerkt seine Fluchthaltung, den Oberkörper schon leicht seitlich geneigt, Eile vorgetäuscht. Und weg ist er.

Außer: man spricht die richtigen Themen an! Wenn man z.B. einen Schweizer mit einem Fernglas trifft und er an einer Felswand hochstarrt, dann kann man ihn ruhig ansprechen, dann freut er sich! Denn: Schweizer beobachten gerne, am liebsten Uhus, Gämsen, Steinböcke und was da sonst noch alles kreucht und fleucht.
Dann darf man sogar mal durch den Feldstecher sehen. Da freut er sich aufrichtig über das Interesse und ist wie umgewandelt. Da bekommt man dann noch ein: "Schöne Abig" mit auf den Weg. Ist doch nett! Ja, so sind sie, die Schweizer!
Aber er bleibt auf Distanz, der Eidgenosse. Bei uns im Haus sehe ich nie jemanden, jedenfalls nicht von den Schweizern und frage mich ob, wo sind die? Auf der Arbeit, schon klar, aber irgendwann müssen doch auch die Schweizer Feierabend haben. Man hört und sieht nichts von denen. Ich glaube, das sind solche Fälle, wo eine Leiche 5 Wochen unentdeckt in der Wohnung liegen kann ( die Schweiz hat mit die höchste Selbstmordrate in Europa, ich kann mir jetzt auch vorstellen, warum). Nun dachte ich, das läge daran, das wir Deutsche sind, aber weit gefehlt! Die Schweizer kennen sich auch untereinander kaum. Ich denke das rührt noch von der Vergangenheit her, wo sie Monate lang alleine auf der Alm waren und keine Menschenseele zu sehen kriegten, Alm-Öhis halt!

Diesen Umstand muss man früher oder später akzeptieren, er ist halt wie er ist, der Schweizer!

Irgendwann werde ich mich auch an " Wiederlurgen" , " Sonntig", " Isch ganga?" und " Isch gurt?" oder " nüt" gewöhnt haben und weiß das ein Velo- ein Fahrrad ist, ein Töff - ein Motorrad, das Randeln- rote Bete sind und Schokolade hier Schoggi heißt.
Aber trotzdem.....



...ich bin und bleibe eine Norddeutsche und weiß jetzt, das viele Vorurteile gegenüber uns Nordlichtern nicht stimmen, denn wer behauptet, das wir stur sind und nicht viel reden, der muss erst mal die Eidgenossen kennen lernen, denn bei denen habe ich das Gefühl, die gehen zum Lachen in den Keller.
 Aber, so sind sie halt, die Schweizer!


Aber wir fühlen uns hier trotzdem wohl und wer weiß, vielleicht schließen wir ja doch noch mit einem Schweizer Freundschaft.

Teilen