Dienstag, 24. Juli 2012

Abschied und Neuanfang



Manchmal muss man neue Wege gehen 


Wie Ihr wisst bin ich ein waschechtes Landei, aufgewachsen in einen kleinen Dorf in Friesland (ca.2000 Einwohner, damals), dann mit Ende 20 der Umzug in die Stadt (ca. 90 000 Einwohner). Was mir erst jetzt nach dem Umzug in die Schweiz aufgefallen ist, ich habe eigentlich in den letzten Jahren keine neuen Leute kennengelernt. Man trifft sich (oder auch nicht) immer mit den gleichen Menschen, die man entweder noch aus der Schule kennt oder von der Arbeit.

 Ich hatte in Deutschland nach 25 Jahren meine Stelle gekündigt und in ein anderes Unternehmen gewechselt. Allein dieser Schritt ist mir sehr schwer gefallen, alles Gewohnte hinter sich lassen, die Kollegen, die man schon seit vielen Jahren kennt und mit denen man sich schon blind verstanden hat. Die Arbeitsabläufe waren einem schon in Fleisch und Blut übergegangen, man war schon fast betriebsblind. Wer verlässt schon gerne seine Komfortzone? Diese wohlige Atmosphäre des Vertrauten, diese Geborgenheit, dieses "Sich-Zuhause-Fühlen".
Und dann der Schritt in ein anderes Land zu ziehen, nun auch noch die Familie, Freunde und Bekannte hinter sich lassen (und unser Haus). Aber wenn ich so richtig überlege, so wirklich richtige Freunde hatten wir eigentlich wenige, um nicht zu sagen, wir konnten sie an einer Hand abzählen. Das andere waren halt Bekannte oder Arbeitskollegen, mit denen man sich zwischendurch mal getroffen hat. Aber man hat auch keine neuen Bekanntschaften mehr gemacht, wo auch?! Und man wird auch bequem und träge, man muss ja nicht unbedingt, die Familie ist auch noch da. Man ist eingespannt in seinen Alltag, jeder geht seiner Wege und ist mit sich und seinen kleinen und großen Sorgen beschäftigt.
Hier ist nun alles anders! Der Kontakt zu den ehemaligen Kollegen und den Bekannten wird immer weniger (wir freuen uns immer so von Euch zu hören und wenn Post von Euch kommt! Tja, wir würden uns auch freuen!). Der Satz :"Aus den Augen- aus dem Sinn" bewahrheitet sich auf schmerzliche Weise, eigentlich dachte man ja, dass man doch einige Leute kennt und man  in Verbindung bleibt. DAS TUT WEH! Ist aber der Lauf der Zeit und nicht zu verhindern, man muss sich von "alten Schuhen" trennen und neu starten. Das soll auch um Gottes willen kein Vorwurf sein, dies ist nur eine Feststellung. Man verliert sich einfach aus den Augen, das Gemeinsame verläuft sich. Wir leben im Moment in einer "Zwischenwelt", in der alten Heimat gehört man nicht mehr dazu und hier in der neuen Umgebung hat man noch niemanden kennen gelernt. Manchmal überkommt einen das Gefühl auf einer Insel zu leben. Aber alles hadern nützt nichts, neue Menschen lernt man nicht zu Hause auf dem Sofa kennen. Also, auf zu neuen Ufern!

Das haben wir getan, natürlich nicht ganz freiwillig, mehr gezwungenermaßen. Und ich bin froh darüber!
Es war nicht einfach, denn wie Ihr ja schon wisst, kommt man mit den Schweizern selber sehr schwer in Kontakt. Da war guter Rat teuer! Wir haben bei "Hallo Schweiz" nach "Leidensgenossen" gesucht. Und hatten Erfolg!
Letzte Woche hatten wir das erste Treffen, mit einer alleinstehenden Frau in unserem Alter. Sie ist Deutsch-Italienerin, kommt gebürtig aus Mailand und wohnt seit 10 Jahren in der Schweiz. Sie hat das gleiche Problem wie wir, sie findet keinen Kontakt zu Schweizern, alle Versuche sind gescheitert. Was mich wiederum beruhigt hat, denn so kann es nicht nur an uns liegen. Wir haben einen sehr netten Abend verbracht, uns über Gott und die Welt unterhalten und sind, wie man in Norddeutschland sagt, "von Kuchen backen auf Arschbacken " gekommen. Ein Anfang war gemacht!
Schließlich hat sich noch ein Ehepaar gemeldet, sie ist 34 und er 50 Jahre alt. Und, sie hatten das gleiche Problem, da muss man sich doch solidarisieren.
Am Freitag haben wir 5 uns getroffen. Das Ehepaar kommt aus Hessen, er ist schon 15 Monate hier, ist von Beruf Architekt. Sie ist im Februar nachgekommen, ist Ökonomin und stammt gebürtig aus Litauen.
Wir haben uns alle super unterhalten und der Gesprächsstoff ging nicht aus.
Zum Schluss wurde gleich der nächste Termin festgelegt, es soll eine Art Stammtisch entstehen, ein lockeres Beisammensein ein mal im Monat.
Das Schöne ist, das wir ein richtiger Multi-Kulti-Haufen sind, was das Ganze noch interessanter macht. Schön, dass man so auch andere Kulturen kennen lernt, andere Sichtweisen und Erfahrungen.
In Deutschland oder sagen wir so, wenn wir in unserem Heimatort geblieben wären, hätten wir diese Erfahrungen nicht gemacht, warum auch, man lebt in seiner Komfortzone, sieht gar keinen Grund diese zu verlassen.
So hat alles auch sein Gutes, manchmal muss man nur ein wenig dazu gezwungen werden.

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