Donnerstag, 16. August 2012

Ivan

In dem Unternehmen , wo mein Mann arbeitet sind hauptsächlich "Ausländer" beschäftigt, das sind in der Hauptsache Deutsche. Und Ivan. Als ich das erste Mal den Namen gehört habe, dachte ich sofort an einen Mann aus Russland. So geht es wohl jedem, oder? Aber weit gefehlt, denn Ivan ist Bulgare.

Mein Mann hatte mir von Ivan erzählt und was für ein netter Kerl er ist. Wir haben uns daraufhin mit ihm verabredet und sind zusammen essen gegangen. In dem Moment, als ich Ivan sah, wir uns die Hand gegeben haben und uns begrüßten, war es um mich geschehen. Ich habe ihn sofort in mein Herz geschlossen.
Ivan ist einer der angenehmsten Menschen, die ich kenne. Er ist zurückhaltend und so bescheiden, was sicher  auch an seiner Herkunft liegt, denn in Bulgarien ist der Lebensstandard ein anderer als wir ihn kennen. Er hat eine so angenehme Stimme und und kann herrlich erzählen, von seiner Kindheit und Jugend in Bulgarien, seiner Studienzeit in Marburg und von seinen Jahren in Berlin. Er ist geistreich und intelligent. Er liebt Kirchen-Konzerte und klassische Musik. Er ist zuverlässig und arbeitsam. Sein deutsch ist noch nicht perfekt, aber er arbeitet jeden Tag daran, was hier in der Schweiz gar nicht so einfach ist, denn hier begegnet er nur dem "Schwitzer-Dütsch", das erschwert ihm die Sache natürlich sehr. Und ich weiß jetzt, wie schwer es ist eine neue" Sprache" zu lernen(ohne sie sprechen zu müssen). Am schönsten ist es, wenn Ivan lacht, dann strahlen seine Augen, sein ganzes Gesicht.
Letzte Woche hatten wir ihn zum Grillieren eingeladen, die Betonung liegt auf eingeladen. Und es passierte genau das, was ich vorhergesehen habe. Ivan stand mit einer Riesen- Tüte vor mir.
Der Inhalt :Bier, Saft, "Red Bull" und Fleisch für eine ganze Kompanie. Ich wollte ihm die Tüte so wieder mit geben, denn er war ja eingeladen, da hatte ich aber die Rechnung ohne Ivan gemacht. Alles Reden und bitten half nichts. Also, habe ich ihm gleich wieder zum Grillieren eingeladen.
Ich freue mich immer, wenn Ivan uns besucht, eigentlich muss ich sagen :Dr. Ivan, denn er ist Dr. der Chemie.
Seit wir hier leben, haben sich viele meiner Sichtweisen geändert. Ich bin jetzt nämlich auch "Ausländer" und wir Deutschen erfreuen uns nicht uneingeschränkter Beliebtheit bei den Schweizern, im Gegenteil, viele würden uns gerne wieder nach Hause schicken, fühlen sich von den Deutschen überrannt.
Ich habe gelernt, ein wenig mehr Toleranz und Taktgefühl und das Leben ist für alle einfacher. Ich bin froh, dass ich Ivan kennen lernen durfte.
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