Donnerstag, 13. September 2012

Haben wir unser Lachen verloren? Und wenn ja, wo?

Ja, eigentlich bin ich ein fröhlicher Mensch oder sagen wir so, ich bin ein freundlicher Mensch. Nicht das ich mit einem Dauergrinsen durchs Leben laufen würde, aber ich verschenke gerne ein Lächeln. Vielleicht liegt es in meinen Genen, denn meine Eltern sind an sich auch sehr aufgeschlossen und kontaktfreudig. Und es kostet nichts und kann viel bewirken...
Ich könnte schon morgens an der Bushaltestelle oder wie in meinem Fall am Bahnhof, die erste Krise bekommen. Ich habe gelernt, wenn man irgendwo dazukommt, sagt man "Guten Tag" "Moin" oder wie hier "Grüezi". Aber nichts dergleichen passiert, die meisten gehen wort -und blicklos an einem vorbei. Wie ich das hasse!!!! Ich würde sie am liebsten greifen, schütteln und schreien :"Das heißt :"Grüezi!". Und was mich ganz narrisch macht, es sind oft nicht die Jungen, sondern die, wo wir denken, dass sie mit gutem Beispiel vorangehen, nämlich die ältere Generation. Wo bleiben da nur die guten Manieren?

Das Ganze setzt sich fort im Coop-Pronto (der Supermarkt im Bahnhof für den schnellen Einkauf). Hier hört man von den Kunden meist gar keinen Gruß und die Damen an der Kasse, ach lassen wir das....

Ich bin seit ca. 27 Jahren im Verkauf tätig und hatte einen der besten Lehrherren, die es bei uns in der Gegend gibt, ich habe den Beruf von der Pike auf gelernt. Wenn ich in einem Geschäft an die Kasse gehe, kann ich wohl erwarten, das mir die Dame (oder auch der Herr) dort auf eine nette Art und Weise das Geld abnimmt, aber nicht mal das kriegen die meisten hin, sind damit hoffnungslos überfordert. Mürrisch der Blick über den Kassentresen, kein Lächeln, keine freundliche Begrüßung. Vielleicht hat die Dame (oder der Herr) Migräne? Oder leidet an einer schmerzhaften Gallenkolik? Wer weiß das schon?! Und es kann dem Kunden auch völlig schnuppe sein, denn wenn ich bezahlen möchte (bei manchen Kunden können sie ja noch froh sein, dass sie sich überhaupt die Mühe machen an die Kasse gehen und nicht den direkten Weg raus nehmen), dann kann ich erwarten, dass dies auf eine freundliche Art geschieht. Das schlimme ist, dass das normal und üblich geworden ist und sich scheinbar niemand mehr daran stört- ich schon!

Ich kenne aber auch die andere Seite der Medaille, denn ansonsten stehe ich auf der anderen Seite und bin Dienstleister/in. Dieser Beruf fordert viel von den Angestellten und bringt Ihnen in der Regel wenig Anerkennung. So ist das nun mal im Detailhandel (und in den vielen anderen Berufen) in der Schweiz, wie auch in Deutschland. Wenn ich unsere Kunden mit einem freundlichen "Grüezi" begrüße, kommt eigentlich schon ein Gruß zurück, wenn auch manchmal etwas knapp. Den meisten schießt schon der Gedanke durch den Kopf :"Hilfe, die will mir was verkaufen!". Ja, natürlich möchte ich das, aber in erster Linie geht es hier erst mal um die gute Kinderstube und was haben wir da gelernt (oder eben auch nicht)? Genau, man begrüßt einander! Und erst dann denke ich ans Verkaufen....Ich schenke dem Kunden in unseren Hause meine Zeit (und mein Lächeln), stelle meine Kompetenz in seinen Dienst und versuche ein guter Gastgeber zu sein.
Viele schauen einen an wie eine Gans wenn es donnert (so hätte mein ehemaliger Geschäftsführer gesagt), wenn man ihnen ein Lächeln schenkt, schauen betreten zur Seite, als sei es ihnen fast peinlich und wissen damit nicht umzugehen (warum lächeln sie nicht einfach zurück?). Haben sie es vielleicht verlernt oder haben sie ihr Lächeln verloren und wissen nicht wo? Ist nicht so schlimm. denn ich habe noch genug Lächeln im Gepäck und verschenke gerne welche.......

Ein Lächeln kostet nichts und bringt doch so viel....
Warum nur laufen so viele (und es werden immer mehr) mit so einem ernsten und griesgrämigen Gesicht durchs Leben (ich weiß, sie haben nur das eine)? Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde, es fehlt uns aus materieller Sicht an nichts. Keiner muss hungern, dursten oder frieren, nur auf der emotionalen Seite haben wir riesen Defizite. Möglicherweise haben wir auch verlernt nonverbal zu kommunizieren (viele sind ja so wieso schon sprachlos). Gedankenversunken, den Blick nicht auf dem Weg, sondern aufs Handy (oder muss ich sagen, aufs iPhone?)gerichtet. Viele nehmen so ihre Umwelt gar nicht mehr wahr, sind ganz in ihre eigene Welt abgetaucht. Und wir sind alle sooooo gestresst und finden so nicht mal mehr die Zeit für einen Moment, einen Augenblick des "Sich-Beachtens". Wir sind wortlos, sprachlos, hilflos und igeln uns immer häufiger ein.
Wir können nicht mehr von Herzen lachen, so ganz ohne Berechnung, einfach so. Vielleicht sollten wir uns mal ein Beispiel an den Kindern nehmen, die einfach so losprusten, aus vollem Herzen, ohne lange zu überlegen.



Mag sein, dass wir einfach zu satt sind, wir uns nicht mehr freuen können, wir alles haben was das Herz begehrt und doch sind wir unzufrieden, unglücklich. Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens rücken immer weiter in den Hintergrund :Zufriedenheit, Gesundheit, Herzlichkeit, Ehrlichkeit, eben diese alten Tugenden.
Sich auf das Wichtige, das Eigentliche besinnen, auf sich selbst und seinen nächsten.

Aber ich lasse mich nicht entmutigen und verschenke weiterhin mein Lächeln, egal wo ich bin : in der Bahn, im Supermarkt, auf der Straße, im Park.....und natürlich an meine Kunden, an jedem neuen Tag und das tue ich gerne.
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