Mittwoch, 19. August 2015

Geteiltes Leid oder ein Hoffnungsstreifen

Nach einem Umzug erkundet man die neue Umgebung, auch wenn unser Umzug diesmal innerhalb des Ortes war, es gibt doch viel Neues zu entdecken......
Seit wir in der Schweiz leben, bin ich viel naturverbundener als vorher.....Ich muss einfach in jeder freien Minute in den Wald, auf die Wiesen und Felder, früher wäre ich shoppen gegangen, dazu habe ich nur noch selten Lust. So verändert man seine Prioritäten und ich fühle mich sauwohl dabei....
Auch hier müssen wir nur wenige Schritte gehen, bis wir mitten in der Natur stehen, wie ich das genieße und schätze.....ein paar Stufen hoch und schon stehe ich auf den Feldern des Bio-Bauern. Ein Besuch der Kühe steht immer auf dem Programm.....aber davon berichte ich ein anderes Mal......
Hier gibt es nicht nur Wiesen, sondern auch viel Wald, ich liebe es dem Zwitschern der Vögel zu lauschen, auch wenn ich eine Meise kaum vom Rotkehlchen unterscheiden kann....einfach herrlich, dieser Gesang mitten in der Stille. Hier oben auf dem Taggenberg trifft man auch weniger Spaziergänger, ganz zu meiner Freude, ich bin am liebsten alleine hier unterwegs und froh, wenn mir niemand begegnet......

Bei meinem letzten Spaziergang habe ich im Wald eine Entdeckung gemacht, einen Ort, der mich sehr bewegt und beeindruckt hat.....einen Ort, der Einkehr, des Innehaltens, einen Ort, an dem man Ballast abladen kann, einen Ort, an dem man Geborgenheit und Halt findet, der Mut macht, weil man die Gewissheit hat, dass es anderen auch so geht und man hier verstanden wird, aufgefangen. Einen Moment lang scheint alles etwas leichter, erträglicher, einfacher....einen Moment lang kann man sich gehenlassen, loslassen, teilen, die Schwere des Lebens, des Schicksals, was auch immer das für jeden Einzelnen sein mag.....





Ein Bändchen aufhängen.....


....und ein anderes mitnehmen......die Last und Sorgen eines anderen Menschen.....










Ich finde die Sache mit dem Baum eine ganz großartige Idee, all seine Ängste, Sorgen und Nöte in dieses Band legen und zurücklassen, was für eine wunderbare Vorstellung....und gleichzeitig die Last eines anderen mittragen, was für eine schöne Sache.....
Ich hoffe, dass diesen Post eine frühere Kollegin von mir liest, die, vor nicht allzu langer Zeit, ihren Sohn verloren hat und darin ein wenig Trost findet. Ich wünsche Ihr und allen anderen, die trauern, einsam sind, alleine mit ihren Nöten und Ängsten, einen Ort, der sie auffängt und hoffen lässt, einen Menschen, der zuhört, der da ist, der Wärme und Geborgenheit schenkt......und solch einen Baum.....

Ein stiller Gruß, Ophelia

Kommentare:

  1. Liebe Ophelia,
    ja, noch mehr solche Orte könnten die Welt verbessern,
    herzliche Grüsse
    Ursula

    AntwortenLöschen
  2. Was für eine wunderbare Idee. Wie schön dass es Menschen gibt, die so etwas erfinden und umsetzen.
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  3. Da schweige ich lieber
    So etwas ist in unserer Kultur eigentlich nicht wirklich verankert. Aber tolerieren ist O.K. Jeder so, wie er/sie es für richtig hält.
    LG aus Westfalen
    Michael

    AntwortenLöschen

Teilen