Mittwoch, 2. September 2015

Kurzer und verregneter Besuch in der Blaudruckerei in Jever

Moin, vundaag sünd wi in Jever ünnerwegens....
Jever liegt im Landkreis Friesland, auf keinen Fall mit Ostfriesland zu verwechseln....Die Stadt hat knapp 14 000 Einwohner und ist durch die gleichnamige Biermarke international bekannt, auf jeden Fall bei Bier-Kennern und Bier-Liebhabern.....
Jever wird auch die Marienstadt genannt, was auf Fräulein Maria hinweist, die letzte Herrin in Jever,
die Jever die Stadtrechte verlieh.

Das Wahrzeichen der Stadt, das Schloss, umgeben von einem schönen Park.

Die Blaudruckerei, hier wird ein Stück Handwerkskunst am Leben erhalten, denn die letzte Blaudruckerei beendete vor rund 100 Jahren das Drucken und Färben, jetzt ist hier jemand mit viel Leidenschaft und Idealismus am Werk.

Die Menschen in Europa lernten erst vor ca. 350 Jahren das Färben mit Indigo, was durch den Handel mit Asien hier herkam.


Alles Handarbeit!
Hier sieht man den "Herrscher" der Werkstatt, Georg Stark, bei der Arbeit.....Fragen stellen ausdrücklich erwünscht!
Mit verschiedenen Druckstöcken, den Modeln, wird die sogenannte Druckpapp, eine Art Wachs, aufgetragen.

Nach dem Aufdrucken muss der Wachs erstmal trocknen und kann erst dann gefärbt werden.

Hinten links kann man die Indigo-Küpe erkennen, dafür werden die Stoffe auf einen eisernen Kronreifen gezogen und in den Bottich  eingetaucht, bis zu 10 mal, je nach gewünschter Farbtiefe.
Beim Färbevorgang erlebt man sein "Blaues Wunder" (daher kommt die Redensart), die Rezeptur der Farbe ist streng geheim.

Nach dem Färben kommen dann die Muster zum Vorschein, zuvor wird der Stoff noch gewaschen.
Nach dem wiederholten Trocknen kommt der Stoff dann zu einer Näherin und erhält ein finales Aussehen.

Hier wird noch alles von Hand gemacht, ein aussterbender Beruf, den man heute auch nicht mehr erlernen kann.
Wie schön, dass hier jemand noch diese alte Tradition am Leben erhält, hoffentlich noch sehr lange!

Und das sind die fertigen Kunstwerke, ja, man muss sie wirklich so nennen.....Alles Unikate, keins wie`s andere,
Kissenbezüge, Tischdecken-und -läufer, Servietten, Meterware, Taschen,......
Es wird auch nach Wünschen der Kunden gefertigt und man kann auch sein altes Leinen zum Bedrucken vorbeibringen.

Typisch für Norddeutschland....blau!


Und den habe ich mir gegönnt, einen Tischläufer, mit dem traditionellen Granatapfel-Motiv.


Waschen soll man diese Stücke nicht in der Waschmaschine, sondern im Kochtopf mit Feinwaschmittel, alles farbecht und nicht schleudern.....


Ein Stückchen Heimat auf dem Tisch und alles Handarbeit!!!!!!!



Ich kann jedem einen Besuch in der Werkstatt von Georg Stark empfehlen, man darf sich von seiner typisch norddeutschen Art nicht abschrecken lassen, etwas kautzig, aber eigentlich sehr nett und man bekommt alles genau erklärt (nach Absprache werden auch Führungen angeboten). Wer hier ein Stück kauft, kann den Werdegang genau verfolgen, keine Massenware aus Fernost, alles "Made in Jever"!

Denn man Tschüß, Ophelia




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